Mit 21 denkt A/O-Fußballer Buchholz ans Aufhören

AHLERSTEDT. Als U17- und U19-Fußballer des JFV Ahlerstedt/Ottendorf/Heeslingen spielte er in der Niedersachsenliga und sah sich in naher Zukunft mindestens in der Oberliga, vielleicht in der Regionalliga. Jetzt, mit 21, denkt Maric Buchholz schon ans Aufhören.

In die jetzige Landesligasaison ist Maric Buchholz mit großem Selbstvertrauen und Optimismus gegangen. Er fühlte sich so fit wie selten zuvor, er fühlte sich gewappnet. Während der Vorbereitung überzeugte der 21-Jährige vollends bei der SV Ahlerstedt/Ottendorf. Sein individuelles Training hatte gefruchtet, er hatte zudem seine Ernährung umgestellt und legte viel Wert auf Regeneration. „Ich hatte richtig viel gemacht, alles Erdenkliche“, sagt Buchholz, und es schien so, als habe es sich gelohnt.

„Auf dem Platz hatte ich wieder die Selbstverständlichkeit“, sagt er. Er war wieder da, er war da, um es sich selbst und allen anderen zu zeigen. Nach zuvor zwei verkorksten Spielzeiten wollte er in dieser Saison als fitter Stammspieler durchstarten. Trainer Malte Bösch sprach vor dem ersten Saisonspiel Maric Buchholz direkt an. Es sei schön, dass er wieder voll dabei ist. Es mache Spaß mit ihm.

Es war der 11. August. Anpfiff 15 Uhr. „Um 15.24 Uhr passierte es.“ Buchholz erinnert sich genau. 15.29 Uhr ließ er sich auswechseln. Und dachte an noch nichts Schlimmes. „Ich hatte keine großen Schmerzen, aber das Knie fühlte sich schwammig an. Beim ersten Pass nach der Verletzung dachte ich, der Oberschenkel fliegt mir ab.“

Die laufende Saison war nach knapp 30 Minuten vorbei für Maric Buchholz. Foto: Struwe

Die Aufregung stieg

Am nächsten Tag, Montag, suchte er seinen Arzt des Vertrauens auf. Noch am selben Tag wurde eine MRT-Untersuchung gemacht. Am Donnerstag sollte die Diagnose kommen. „Das große Warten“, sagt Buchholz, die Aufregung stieg, obwohl er höchstens mit einer Innenbandverletzung gerechnet hatte.

Das Innenband war zum Teil gerissen. Allerdings war das Kreuzband „komplett zerfetzt“. Buchholz bekam am 9. Oktober ein neues Kreuzband eingesetzt. „Aus dem Ersatzteillager des Körpers“, wie er seinen Arzt amüsiert zitiert. Ihm wurde eine Oberschenkelsehne, die der Körper nicht mehr verwendet, eingesetzt. Maric Buchholz hat in der Saison, die seine werden sollte, knappe 30 Minuten auf dem Platz gestanden. In dieser Saison wird er gegen keinen Ball mehr treten.

Während er krankgeschrieben war, hat er den erneuten Rückschlag in sich hineingefressen, wie er sagt. „Das hat mich richtig getroffen. Das war ein Schlag in die Fresse.“ Davon musste er, der erst 21-Jährige, schon einige einstecken.

Buchholz: „Verrückt“

Als er aus der Jugend kam, schien es nur eine Frage der Zeit, bis Buchholz seinem Ziel vom höherklassigen Fußball näher kommt. Die SV Ahlerstedt/Ottendorf war aus der Landesliga in die Bezirksliga abgestiegen. Buchholz kam als U19-Junior unter seinem Vater Stefan Buchholz als Trainer zu 23 Einsätzen in seinem ersten Herrenjahr. A/O schaffte den sofortigen Wiederaufstieg.

In die Landesligasaison 2017/18 ging Buchholz mit einer Schambeinentzündung, konnte ein halbes Jahr nicht spielen. Um sich 2018 fitter zu machen, trainierte er auch bei der zweiten A/O-Mannschaft mit. Dabei bricht er sich im Frühjahr den Mittelfußknochen, was zudem erst sechs Wochen später diagnostiziert wird. „Verrückt“ nennt Buchholz das. Er kommt in dieser Saison auf je zwei Einsätze in der Landesliga sowie Kreisliga.

Es folgt die Saison 2018/19. Buchholz muss sich wieder rankämpfen. Im Oktober 2018 reißt sein Meniskus. Zum dritten Mal, dieselbe Verletzung hatte er schon mit 14 und 15 Jahren. Dieses Mal wird der Riss nicht genäht, sondern ein Teil des Meniskus rausgenommen. Buchholz nahm es damals mit Sarkasmus. „Wir Fußballer bekommen eh Arthrose, bei mir kommt sie dann eben schneller“, war seine Einstellung. Ein Spiel mit dem Feuer, sagt er. Für seine große Leidenschaft. Durch seinen Vater wuchs er praktisch auf Fußballplätzen auf. Als Vierjähriger begann er selbst zu spielen.

Buchholz schmeißt sich rein

Buchholz war mal wieder raus, dreieinhalb Monate. Er schüttelte einmal mehr alles ab. „Ich bin nach Verletzungen nicht gehemmt und schmeiße mich gleich wieder in die Zweikämpfe.“ In dieser Saison schaffte er es immerhin auf zwölf Einsätze. Und er war positiv eingestellt. „Ich dachte, jetzt ist meine Schwachstelle beseitigt“, so Buchholz über das entfernte Meniskusstück. Jetzt könne nichts mehr schiefgehen, sagte er sich, zumal er mit seinem gezielten Training begann und dabei auf seinen verletzungsanfälligen Körper hörte.

Er war so fit wie selten. Er wollte angreifen, es allen beweisen. Und dann zerfetzt sein Kreuzband nach 24 Minuten im ersten Saisonspiel. „Das ist wie ein K.o.-Schlag. Als wolle dir das Universum sagen: Du spielst kein Fußball mehr“, sagt Buchholz jetzt. Seit zwei Wochen ist er die Krücken los. Die Heilung verläuft in allen Bereichen optimal. Er ist immer nah an der Mannschaft, kommentiert die Spiele amüsant und lesenswert als FuPaner.

Es scheint, als könne er, der „Bock hat, leistungsorientiert zu arbeiten“, es kaum abwarten, in der nächsten Saison wieder anzugreifen. „Das ist weit weg“, sagt Buchholz aber, er verschwende daran keine Gedanken, auch nicht, wenn er inmitten der Mannschaft ist. Er habe noch mindestens ein halbes Jahr vor sich, ehe er wieder gegen den Ball treten kann. „Mal sehen, was dann ist“, sagt er. Das ist aber nur die oberflächliche Sichtweise. „Ich habe Lust auf dem Platz zu sein. Aber das Vertrauen in meinen Körper hab ich schon ein bisschen verloren“, sagt Buchholz. Auch der Arzt seines Vertrauens, rät ihm, das Fußballspielen zu überdenken. Maric Buchholz ist ein erst 21-jähriger Fußballer, ehrgeizig, talentiert und vor allem mit ganz viel Leidenschaft und er sagt: „Ich zähle die Jahre nur in Verletzungen.“

Quelle: Stader Tageblatt

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