A/O kämpft sich trotz Widerstände durch die Oberliga

Aufsteiger SV Ahlerstedt/Ottendorf hat nach einem schwierigen Saisonstart eine zufriedenstellende Hinrunde in der Oberliga hingelegt.Dabei durchlebte A/O frustrierende Niederlagen und musste viele verletzte Stammkräfte kompensieren. Eine Bilanz.

Der Klassenerhalt in der Oberliga Niedersachsen wäre für die SV Ahlerstedt/Ottendorf ein Meilenstein der Vereinsgeschichte. Mittelfeldregisseur Marcel Brunsch arbeitet an dieser Geschichte in der Entstehung mit. 2018 verpflichtete A/O ihn sowie Torhüter Jannis Trapp und Stürmer Süleyman Yaman von D/A. Brunsch, 2015 vom JFV A/O/Heeslingen zu D/A gewechselt, sagt, ein Oberliga-Aufstieg sei seinerzeit noch kein Thema gewesen. Sie, die drei D/A-Zugänge, waren aber erste „Bausteine“ für die angepeilte Entwicklung.

In der Saison zuvor war A/O Neunter der Landesliga geworden, mit nur sechs Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. „Und dann lief es zuerst auch in unserer ersten Saison überhaupt nicht“, sagt Brunsch, „das ganze Team stand plötzlich unter Druck.“ Brunsch wunderte sich seinerzeit über die gestiegene Erwartungshaltung. In den ersten acht Saisonspielen 2018/19 holte A/O nur fünf Punkte. Dann folgte die erste Siegesserie, am Ende wurde A/O Dritter. Nach jener Saison wurde der Oberliga-Aufstieg bei A/O kommuniziert, sagt Brunsch, auch weil dann durch den 2000er-Jahrgang „so viel Qualität dazu kam“.

Doch es kommen zwei verschenkte Saisons

A/O wird in den folgenden zwei Saisons durch die Corona-Pandemie und den damit verbundenen Saisonabbrüchen ausgebremst. „Bis zu den Abbrüchen hatten wir gefühlt alles abgeschossen“, sagt Brunsch. Dies bleibt so in der vergangenen Saison – Ziel erreicht: Oberliga-Aufstieg.

Und dann? „Ich glaube, irgendwie haben wir gedacht, das geht so weiter“, sagt Brunsch bezüglich des Saisonstarts in der Oberliga. Doch A/O zahlt nach dem Achtungserfolg im ersten Spiel gegen den Titelaspiranten Spelle-Venhaus (1:1) viel Lehrgeld. Es folgen drei Klatschen. „Nach dem 0:3 gegen Pattensen haben wir uns nur kopfschüttelnd angeguckt“, sagt Brunsch, weil der Gegner gefühlt nicht besser war. Ganz bitter ist dann die 2:3-Niederlage am fünften Spieltag in letzter Minute gegen Schöningen. Trainer Malte Bösch betont in dieser Zeit nimmermüde, wie wichtig es sei, endlich ein Erfolgserlebnis zu haben. Der Blick auf die Tabelle sei deprimierend.

Im folgenden Spiel ist es dann Marcel Brunsch, der A/O mit seinem 3:2-Siegtreffer bei Arminia Hannover in letzter Minute erlöst. „Ab dem Zeitpunkt hat man schon im ersten Training danach gemerkt, dass alle noch mehr Bock haben“, sagt Brunsch.

Der Aufsteiger ist nun in der Oberliga angekommen

Nach diesem ersten Sieg, hart wie glücklich erarbeitet, folgt ein wilder 5:3-Sieg im Heimspiel gegen Ramlingen/Ehlershausen. Brunsch trifft abermals. Stürmer Darvin Stüve schnürt seinen ersten Doppelpack. Stüve ist mit bisher elf Treffern derzeit der drittbeste Torjäger der Oberliga. Co-Trainer Kevin Speer muss in diesem so emotionalen Spiel den coronainfizierten und untröstlichen Trainer Malte Bösch vertreten und fordert, die Mannschaft solle alles raushauen – auch für Bösch gewinnen. Nach dem Sieg fordern die Spieler der dritten A/O-Mannschaft singend, sie wollen Speer sehen. Dieser macht den Diver, rutscht seiner anderen Mannschaft auf dem Rasen entgegen. Speer spielt für die Dritte und hat in bisher acht Spielen sieben Tore erzielt. Mit diesem zweiten Sieg ist A/O in der Oberliga angekommen.

Die folgende 1:4-Niederlage beim VfL Oldenburg bringt A/O nicht mehr ins Wanken – und es ist das letzte Spiel mit so vielen Gegentoren. Vier Siege feiert A/O sogar ohne Gegentor. „Wenn man bedenkt, wie viele Gegentore wir gefressen haben“, sagt Brunsch, „das hat sich wirklich verbessert.“ Die Ahlerstedter sprechen sehr viel über die Defensive, das sei mittlerweile in jedem Kopf drin, so Brunsch. Die Mannschaft habe verstanden, dass sie ekeliger auftreten müsse. Zudem habe A/O sein Spiel angepasst und gebe dem Gegner mehr den Ball.

Verletzte Spieler werden kompensiert – auch Brunsch

Im elften Saisonspiel erwischt es auch den Mittelfeldstrategen. Marcel Brunsch knickt nach einem Kopfballduell um und muss nach 35 Minuten im Heimspiel gegen Papenburg raus. Seitdem fehlt er mit einer Bänderverletzung. Schon vor seinem eigenen Ausfall habe er „verwundert“ registriert, wie gut A/O seine prominenten Ausfälle immer wieder kompensieren konnte und kann. Die schnellen wie torgefährlichen Außenspieler Malcolm Brunkhorst und Corvin Höft, Lukas Hatecke oder Süleyman Yaman – allesamt potenzielle Startelf-Spieler. Mit ihnen fehlt Qualität. Doch der breite Kader erweist sich auch in seiner Dichte stark. „Ein insgesamt funktionierendes Team“, sagte Trainer Bösch einmal während der Saison.

Auch der gesetzte Brunsch wird ersetzt. Luqman Krugmeier, der zuvor schon verletzte Außenverteidiger ersetzen musste, steigert sich im zentralen Mittelfeld von Spiel zu Spiel. Er hat als laufstarker Abräumer andere Qualitäten als der Ballverteiler Brunsch – funktioniert zusammen mit Merten Hiller aber bestens. Brunsch beobachtet das als Teamplayer: „Wir sehen, dass es gut läuft und können uns in Ruhe auskurieren“, sagt er. Wäre das Gegenteil der Fall, so Brunsch, würde er sich tapen lassen und mit falschem Ehrgeiz spielen wollen. Klar ist aber auch: „Wir verletzten Spieler werden alle um unsere Position wieder kämpfen müssen.“

In der Rückrunde muss A/O sofort funktionieren

Marcel Brunsch wird Anfang Januar mit der Mannschaft in die Vorbereitung einsteigen. „Es ist brutal wichtig, dass wir die Gegner auf Augenhöhe gleich besiegen und wieder in einen Flow kommen“, sagt Brunsch. Ansonsten könnte es eng werden. Bei A/O wisse jeder, dass es nur darum geht, am Ende überm Strich zu stehen. „Ich hoffe, dass wir sehr schnell genügend Punkte holen“, sagt Brunsch.

Der Teamgeist und die Geschlossenheit im Verein ist eine gute Voraussetzung. Am gestrigen Freitag waren aus allen Mannschaften 210 Spielerinnen und Spieler bei der A/O-Weihnachtsfeier. Im Sommer wollen sie dann feiern, weil sie Vereinsgeschichte geschrieben haben.

Der bisherige Saisonverlauf

Hinrunde

  • A/O – Spelle-Venhaus 1:1
  • Eintracht Celle – A/O 3:1
  • A/O – TSV Pattensen 0:3
  • LM Wolfsburg – A/O 4:1
  • A/O – FSV Schöningen 2:3
  • Arminia Hannover – A/O 2:3
  • A/O – Ramlingen/Ehlersh. 5:3
  • VfL Oldenburg – A/O 4:1
  • A/O – Rotenburger SV 2:2
  • Lüneburger SK Hansa – A/O 0:2
  • A/O – Papenburg 3:2
  • HSC Hannover – A/O 0:3
  • A/O – Egestorf-Langreder 0:1
  • FT Braunschweig – A/O 0:3
  • A/O – MTV Gifhorn 3:0
  • A/O – Heeslinger SC 1:2
  • TuS Bersenbrück – A/O 4:1

Rückrunde

  • Spelle-Venhaus – A/O 2:1

Quelle: Stader Tageblatt / von Jan Bröhan